Schon länger nach Ostern

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Ostern – ist vorbei. Über eine Woche schon. Und der Alltag hat mich wieder im Griff. Ja, tatsächlich ein Dienst-tag.

 

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: Man lernt den Glauben nur in der völligen Diesseitigkeit des Lebens: In der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten.

 

Und am Dienstag nach Ostern und nach den Ferien ist sie nun wieder eingekehrt, die Diesseitigkeit, mit den Routinen und Abläufen des Alltags.

 

Wie geht’s eigentlich in der Bibel nach Ostern weiter? Jesus ist auferstanden, zeigt sich noch einzelnen – aber schließlich ist er weg, in jedem Fall unsichtbar. Und nach Ostern geht für die Freunde und Jünger Jesu vieles weiter wie bisher.

Sie gehen ihrer Arbeit nach, fischen, ernähren ihre Familien. Tag für Tag. Woche für Woche.

Und dann geschieht etwas, eines Morgens in aller Früh. Mal wieder haben sie umsonst die ganze Nacht auf dem Wasser verbracht und nicht einen Fisch gefangen. Nervig ist das. Frustrierend. Woran liegt das, fragen sie sich und sind ratlos. Einer kommt grad vorbei und fragt was los ist. Und sie erzählen es ihm. Der hört sich das ganze an und sagt schließlich: „Versucht’s noch mal“. Hat der überhaupt eine Ahnung von dem harten Job? Der schaut nicht so aus, als ob er von hier wäre. Als ob der überhaupt eine Ahnung davon hätte, was das heißt, hier zu arbeiten und zu leben. „Versucht’s noch mal, habt Mut.“ Der Tonfall kommt den Leuten am See bekannt vor. „So was haben wir schon mal gehört.“ Und sie fahren tatsächlich noch mal mit dem Boot raus und diesmal fangen sie etwas. Und zwar richtig viele Fische.

Sie machen schließlich am Seeufer ein Feuer und laden den Unbekannten dazu ein. Es gibt schon Getuschel. Wer ist denn der?

Gute Frage.

Einer hat ein besonderes Gespür und sagt. Er ist es. … Es ist der Herr, der auferstandene Christus.

Und nach und nach verstummt das Getuschel und eine kurze andächtige Stille herrscht am Feuer. Er ist da. Er ist jetzt da.

Mitten im Alltag lang nach Ostern taucht er auf. Keiner rechnet mit ihm. Ganz diesseitig, ganz normal scheint es – bis das Normale auf einmal besonders wird. Plötzlich. Für einen Moment.

 

Ob er auch heute mittendrin plötzlich da sein kann? Warum nicht? Jemand hat das mal so in Worte gefasst:

 

Alltäglich denke ich viele Stunden lang
nicht an dich

Doch manchmal spüre ich
nur sekundenlang
du siehst mich

Dann wieder denke ich viele Stunden lang
nicht an dich

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