Kleine Träume vom Leben

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Das Leben – ein Traum. Fünf Jahre lang, jeden Tag. Das Kennenlernen am See, der Beginn der Liebe. Dann die Hochzeit. Keine Sorgen ums Geld. Die Familien mögen sich. Zwei prachtvolle Kinder, schöne Urlaube, der Hausbau. Alles wie aus dem Bilderbuch der Verliebtheit. Nach fünf Jahren dann das Unheil. Ein Hirnschlag. Er fällt ins Koma, sie muss alles regeln. Das lange Krankenhaus, das Erwachen, Reha, Umbau des Hauses, Betreuen der Kinder. Fast ein Jahr dauert das. Sie wächst über sich hinaus, sagt sie heute dazu. Jeder Tag ein Kampf mit Behörden, Firmen, der Schule. Immer das Erklären, Bitten, um Verständnis werben. Und die zweifelnden Gesichter, ob wirklich alles so schlimm ist. Das kostet Kraft, sagt sie. Mehr als man hat.

 

Ich hatte Kraft, sagt sie. Nur nicht von mir, das weiß ich. Sie schweigt lange und schaut nach Irgendwo. Ich hatte immer Kraft, sagt sie. Ich weiß, dass sie nicht von mir war. Solche Kräfte besitzt man nicht. Wie oft kamen mir einfach die Tränen. Ich saß im Sessel oder lag auf dem Sofa und konnte nicht mehr. Schimpfte auf und mit Gott, weinte vor mich hin. Jetzt ist es so weit, dachte ich dann. Jetzt kannst du nicht mehr. Ich saß oder lag da in den Pausen zwischen den Kämpfen. Fertig war ich. Richtig fertig. Irgendwann stand ich dann auf, weil wieder etwas geregelt werden musste. Brote oder Schulranzen oder Abholen vom Arzt. Irgendwas war immer. Und ich stand wieder auf den Beinen und hatte Kraft. Manchmal nur kleine, aber ich hatte sie. Nicht von mir. Solche Kräfte macht man nicht, besitzt wohl niemand. Die bekommt man. Sie sind ein Zeichen, glaube ich. Gott lässt dich nicht alleine mit dir, dachte ich. Es war so.

 

Und blieb so. Erst nach einem Jahr ging nichts mehr. Alles war geregelt oder auf dem Weg. Nur ich konnte nicht mehr, war nur noch erschöpft. Da halfen die Nachbarn. Und sorgten dafür, dass ich zur Kur konnte. Viele Wochen. Noch ein Zeichen: Er will mich. Aber erholt. Herrlich war diese Herbstkur. Weg von allem, Abstand von mir. Erst mit neuen Kräften wieder nach Hause, damals, kurz vor Weihnachten. Ja, sagt sie, so war das. Jetzt kann ich wieder träumen. Kleine Träume vom Leben. Mit Gottes Hilfe.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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