Frei sein und Muße haben

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Am nächsten Samstag, heute in einer Woche, ist Tag des offenen Klosters. Klöster in ganz Deutschland öffnen Neugierigen die Türen und zeigen: So leben wir hier im Kloster.

 

Klöster gelten ja landläufig erstmal eher als katholisch. Ich bin evangelisch und bin das auch gern und mit Überzeugung. Aber Klöster und Ordensgemeinschaften fand ich schon immer interessant. Sie entstanden im vierten Jahrhundert, als die Christen aus einer verfolgten Minderheit im römischen Reich zur Staatskirche wurden. Auf einmal sollten alle Christen sein. Das Christentum als Staatsreligion – das passt irgendwie nicht. Wer die Worte Jesu ernst nimmt, kann sich nicht einfach komplett in der Welt einrichten. Und so sagten die ersten Ordensgründer: Wir wollen unser Christsein anders leben. Wir wollen unser Leben entschieden für Gott leben. „Entschieden“ heißt nicht unbedingt besser, aber anders als die anderen.

 

Martin Luther war selbst zunächst ein entschiedener Mönch und kritisierte dann, dass viele das Ordensleben als besseres Christsein verstanden. Man kann sich Gottes Gnade und Liebe nicht mit Werken verdienen, auch nicht mit einem religiösen Beruf. Die Kritik Luthers an den Klöstern ist scharf. Trotzdem setzt er sich für den Verbleib von Klöstern ein. Sogar neue Gelübdeformeln hat er entworfen. Wer ins Kloster geht, solle es in einer bestimmten Haltung tun: „Ich will frei sein … und für Gott Muße haben.“

 

Interessant: Seit Jahrzehnten wird bei uns die Zahl der Kirchenglieder weniger, viele alte Klöster müssen schließen. Gleichzeitig entstehen neue Klöster und Gemeinschaftsformen, übrigens auch evangelische. Tausende Jugendliche ziehen zu großen Treffen nach Taizé, wo eine ökumenische Bruderschaft lebt. Oder: In Berlin entsteht in Prenzlauer Berg das Stadtkloster Segen.

 

Ich bin kein Ordens- oder Kommunitätsmensch. Dazu bin ich zu freiheitsliebend. Meine Partnerschaft, meine Wohnung und Selbständigkeit möchte ich nicht aufgeben. Und Samstagabend geh ich gern mal mit Freunden weg und bin froh, wenn ich dann nicht auf die Uhr schauen muss.

„Ich will frei sein … und für Gott Muße haben“, so Luthers Rat für eine gute Haltung – nicht nur im Ordensleben. Tja…. Das würde ich auch gern: Frei sein und für Gott Muße haben. Öfter jedenfalls, mehr davon. Und schaffe es zu wenig. Mir fehlt ja oft schon die Muße für mich selbst und die für meine Freunde. Wie frei bin ich eigentlich?

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