Abate

Wort zum Tage
Abate
Geschichten von Obdachlosen
15.01.2019 06:20
06.12.2018
Barbara Manterfeld-Wormit
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Abate stammt aus der Mongolei. Er lebt seit mehr als zehn Jahren auf der Straße. Als junger Mann kam er illegal nach Deutschland, weil er in seinem Heimatland keine Zukunft für sich sah. In Berlin lebte er mehrere Jahre mit einer Frau zusammen. Als die Beziehung zerbrach, saß er plötzlich auf der Straße. Abate ist heute fünfzig. Als er die Mongolei verließ, war er jung und tatendurstig. Was hat ihn damals aufbrechen lassen?

Ach, das und dies: Abenteuerlust, Dummheit, neugierig. Das alles zusammen.

 

Wie sieht heute ein normaler Tag aus?

Ja, nur durchschlagen, wie alle anderen Ausländer, die hier in Berlin wohnt. Zurzeit ist kein große Ding: Morgens wacht auf, geht raus, guckt mit den Leuten zusammen bisschen da: Internet, Zeitung lesen…

 

Auf der Straße begegnet man vielen Menschen. Was für Erfahrungen hat er als Obdachloser hier in Deutschland gemacht?

Ich hab fast nie negative Erfahrung mit den Deutschen und anderen Leuten. Natürlich – es gibt dies und dies, aber: ganz wenig! Bei mir ist das kein Problem.

 

Würde er gern zurück in seine Heimat?

Ja, ich weiß nicht. Keine Sicherheit da – und hier hat man auch bisschen Sicherheit, denke ich!

 

Wenn Abate noch einmal zurück auf Start gehen könnte – nochmal von vorne anfangen – würde er wieder alles hinter sich lassen – einfach aufbrechen in ein fremdes Land?

Mit diese Erfahrung? Nein, ganz bestimmt nicht. Anders machen. Ich weiß nicht. Anders machen. Aber: Ist schon vorbei!

 

Ich wollte von Abate wissen, was er sich für die Zukunft wünscht. Seine Antwort hat mich überrascht – und berührt:

Gesundheit, mehr brauch ich nich zur Zeit. Natürlich: Wünsche. Träume, das und dies hab ich schon, aber das hat jeder. Selbst kochen zum Beispiel. Das wäre sehr – es fehlt mir irgendwas. Das ist eine schöne Ding! Zwei, drei Jahre hab ich nicht gekocht und so. Es gibt keine Möglichkeit. Das ist auch verboten.

 

Mir ist es manchmal zu viel, abends nach der Arbeit auch noch kochen zu müssen. Für Abate ist es dagegen ein großer Traum. Auf der Straße gibt es keine Küche. In der Notunterkunft nur die Essensausgabe. Selber kochen, das bedeutet Freiheit, selber machen, wählen können. Was würde Abate gerne kochen? Etwas aus der Heimat?

Ach, jede Menge, ja… Vorbereitung bei mir is bisschen lang, weil ich hab keine Erfahrung und so, aber das macht Freude, das macht Sinn: Wenn man irgendwas macht, dann denkt man vernünftig allein und das und das und dann – egal – eine Stunde dauert, zwei Stunde dauert und isst man denn. Das genießt man denn, wenn man lange nicht gekocht hat und isst, dann ist das schön.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

06.12.2018
Barbara Manterfeld-Wormit