Segnen gegen den Ungeist

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Sie bekommt schon lange keinen Besuch mehr. Nicht von den Kindern, nicht von den Enkeln, obwohl sie im selben Ort wohnen. Sie ist freundlich zu den Nachbarn aber auch misstrauisch. Was sehen die Nachbarn von außen in ihrer Wohnung? Was denken die anderen über sie? Die Vorhänge bleiben zugezogen und das nette Gespräch am Gartenzaun unverbindlich.

 

Wir wohnen zur Miete in ihrem Haus, spüren das Misstrauen. Die Sorge, etwas würde zu ihren Ungunsten geschehen. So manches Gespräch endet im Konflikt. Nach einem Jahr ziehen wir wieder aus, die Situation belastet uns. Genießen die Freiheit. Das Leben ohne die schlechte Stimmung im Haus.

 

Was treibt Menschen an, die schlechte Stimmung verbreiten? Was hat sie so hart werden lassen? Waren es Enttäuschungen im Leben? Ist es die Angst, übervorteilt, über den Tisch gezogen zu werden? Auch heute ist mir nicht klar, wie ich der Vermieterin hätte helfen können. Klar, auch ich mache Fehler, sogar ziemlich oft. Aber ich bin ratlos, wenn ich auf Menschen treffe, bei denen ich das Gefühl habe: Es geht ihnen nur gut, wenn es ihnen schlecht geht. Denn ich ziehe viel Kraft im Leben aus den Dingen, die schön sind. Und die müssen nicht einmal besonders oder gar besonders teuer sein. Ein Sonnenuntergang oder Vogelgezwitscher reichen schon. Ein Glas Weißwein mit Freunden oder auch nur das knisternde Feuer im Kamin. Ein Kuss, eine Umarmung, ein Lächeln in der S-Bahn oder ein netter Ratsch. Wer positiv durchs Leben geht, für den ist jeder Tag wie ein Geschenk, wie ein Füllhorn von guten Taten, das nur wartet, entdeckt zu werden.

 

Mit einer negativen Grundhaltung aber wird alles zu Bedrohung. Die Vögel, die zwitschern, kacken den Balkon zu. Das Kaminfeuer macht draußen Rauch, der sich in der Wäsche festhängt. Wer ein Weinchen auf dem Balkon trinkt, stört mit den Gesprächen das Fernsehprogramm und überhaupt: weswegen ist da jemand so freundlich? Der will doch sicher was.

 

Ganz leicht lässt sich Leben vergiften, lassen sich Menschen auseinander bringen. Teuflisch leicht. Der Teufel ist keine Person, sondern eine Haltung. Und die kann leicht entstehen, mit dauerndem Misstrauen oder in schlechter Stimmung. Offen wird eine solche Haltung, wenn Menschen durch schlechte Rede und falsche Anschuldigungen auseinandergebracht werden. Noch schlimmer in der Familie, wenn einzelne bevorzugt werden. Oder in der Politik: böse Rede zu erheben, die das Herz schwer macht und die Sinne trübt. Die Dinge behauptet, die bestenfalls aus dem Zusammenhang gerissen werden – oder gleich als alternative Fakten konstruiert sind. Ich finde, das ist teuflisch.

 

 

Diese Gedanken habe ich mit meinen Freunden auf Facebook geteilt – und viel Zuspruch bekommen: Susanne riet mir, negative Erlebnisse einfach abzugeben. Sie nicht zur eigenen Sorge werden zu lassen. Im Gebet zu bitten „Herr, Jesus, mach du es!“. Peter meinte, es sei zwar total kitschig, aber doch wahr: Liebe sei das Wichtigste. Und manchmal halt schwer. Andere wünschten mir Kraft, dachten an mich.

 

Den besten Rat aber gab mir Nicole, eine Ordensschwester: Sie erinnert an Ignatius von Loyola, der den Teufel als „Verwirrer“ bezeichnet, als „Ungeist“, der sich bis in die Gegenwart Bahn bricht. „Dagegen segnen!“ riet sie mir, sowie es in ihrer Gemeinschaft der Brauch sei. Das würde dafür sorgen, dass die eigene Seele in Jesus geschützt bleibt. Segnen, nicht fluchen.

 

Das hat mich beeindruckt. Und das will ich jetzt viel mehr tun: Seid gesegnet ihr, die ihr allein seid. Die ihr voller Misstrauen seid und voller Angst. Die ihr nur das Schlechte sehen könnt. Ja, selbst die Hassredner in der Politik und am Stammtisch: Seid gesegnet und wisst: Gott will in euch und durch euch Gutes bewirken. Und ja, manchmal kann ich selbst solchen Segen gebrauchen. Der mich dahin zurück bringt, wo ich es gut sein lassen kann, mit mir und mit anderen.

 

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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