Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit

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24. Dezember 1968. Die Apollo 8, das erste bemannte Raumschiff des amerikanischen Apollo- Programms umrundet den Mond. Es soll mögliche Landestellen auf dem Mond erkunden.

 

Die drei Astronauten William Anders, Frank Borman und James Lovell haben wie gewünscht Fotos von der Mondoberfläche gemacht. Doch dann geht die Erde am Horizont des Mondes auf. Zum ersten Mal sehen Menschen auf ihre Heimat aus dieser Pespektive. „Oh my god, look at that picture over there!“ ruft Anders. „Da, die Erde! Wow, ist das schön!“ Zunächst macht er schwarz-weiß Fotos. Doch das reicht nicht. Ihm muss klar geworden sein, dass das Sensationelle am Anblick der Erde ja die Farben sind, die er da sieht. Der Farbkontrast. Er lässt sich einen Farbfilm reichen, zieht ihn auf und schießt das Foto der Erdkugel. Vor nachtschwarzem Himmel schwebt sie in strahlendem Blau. Man sieht Kontinente, Wolkenfelder, Grün- und Brauntöne... Aber da ist vor allem dieses Blau! Dieses unglaublich schöne Blau, das man nie wieder vergisst, sobald man es gesehen hat.

 

Dieses Foto wird zur Ikone. Das Bild ist universal, religionsübergreifend. Nationenübergreifend. Es gehört der ganzen Menschheit. Der blaue Planet ist geboren. Seither nennen wir die Erde so.

 

Und ein neues Bewusstsein ist geboren: die Erde ist nicht nur schön. Sie ist fragil und einzigartig, inmitten kosmischer Leere und lebensfeindlicher Bedingungen.

 

Die Umweltbewegung kommt in Gang, weltweit. Die Sorge um das Klima gehört dazu – und inzwischen auch die Erkenntnis – das Weltklima ist eine Frage der Gerechtigkeit. Klimagerechtigkeit – wir auf der reichen Nordhalbkugel dürfen nicht so leben und wirtschaften, dass den Menschen auf der Südhalbkugel die Lebensgrundlage entzogen wird, durch Überschwemmung oder Dürre. Ozonloch, CO2-Emission, vergiftete Flüsse, Plastikberge im Ozean, Abholzung der Regenwälder. Stickoxide und Dieselabgase. Die Liste der to dos ist immer noch lang. Die Einsicht hat es schwer, sich gegen Gier und Gewinn durchzusetzen.

 

In diesen Tagen machen sich viele Menschen für unseren Planeten auf die Beine. Ohne Autos. Vom 9. September bis zum 9. Dezember findet der 3. Ökumenische Pilgerweg für Klimagerechtigkeit statt. Von Bonn über Berlin nach Katowice, zur 24. Weltklimakonferenz. Menschen aus ganz Europa laufen mit. Ein internationales Pilgern, konfessionsübergreifend. 2015, auf dem ersten ökumenischen Pilgerweg von Flensburg nach Paris waren es 8.000. Von Ort zu Ort – oder den ganzen langen Weg. Jetzt wird wieder gebetet und diskutiert, geschwiegen und sich informiert. Man kann sich noch anschließen! Am Ende werden Forderungen formuliert, politisch – denn das Thema geht alle an. Auch, wenn ich nicht mitlaufe – ich will mithoffen, dass die Verantwortlichen den Ruf nach Gerechtigkeit hören.

 

Vier Monate nach Apollo 8, im März 1969, ist der Astronaut Russel L. Schweikart an Bord von Apollo 9. Der zehntägige Erdumlaufflug verändert sein Leben: „Im Blick zurück sei die im schwarzen Nichts frei schwebende Erde so klein, so zerbrechlich und ein so kostbarer kleiner Fleck im Universum, dass man ihn mit dem Daumen zudecken kann. Und man erkennt, auf jenem kleinen blauen und weißen Ding befindet sich alles, was uns wichtig ist…“ (1)

 

Im Alten Testament formuliert es der Psalmbeter so:

Gott, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. (Psalm 104, 24)

 

 

(1) Goldstein, Jürgen, Blau. Eine Wunderkammer seiner Bedeutungen, Matthes&Seitz Berlin, S. 32)

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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