Heiraten Sie die Damen – dann sind sie weg

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Also für mich wäre das nichts: Bei Wärme und Sonnenschein am Strand tief verschleiert spazieren zu gehen. Und nicht alleine ins Fitnessstudio, in die Sauna und ins Schwimmbad zu dürfen. Meine Freunde in irgendeiner Kneipe zu treffen und bei einem Glas Wein mit ihnen zu plaudern – darauf würde ich nie verzichten wollen. Schon von daher hat mich die Geschichte der Frau, von der ich vor ein paar Wochen gelesen habe, wirklich gepackt.

 

So um die 40 Jahre war sie alt, geschieden, als sie eines Tages einen Mann kennenlernt, einen gebildeten und gläubigen Moslem, beruflich erfolgreich, liebevoll, großzügig und fromm. Sie verliebt sich in ihn, heiratet ihn, weil der Islam Liebe ohne Trauschein verbietet. Sie liebt ihn so sehr, dass sie alles neugierig mitmacht, was er von ihr möchte. Und es stört sie nicht einmal, dass er noch eine andere Frau hat und Kinder. Sie zieht mit ihm in den Oman, wo Berührungen in der Öffentlichkeit selbst unter Eheleuten verboten sind. Nur verschleiert darf sie dort aus dem Haus gehen. Und selbstverständlich ist es ihr verboten, ohne ihren Ehemann mit anderen Männern zu reden, nicht einmal mit ihrem Arzt. Schließlich verbringt sie den ganzen Tag daheim, mit anderen Frauen oder in der Koranschule, während ihr Mann Ehefrau Drei und Vier heiratet. Als sie einmal – in Abwesenheit ihres Mannes – von einem guten Bekannten mit dem Auto mitgenommen wird, macht er ihr hinterher eine fürchterliche Szene. Er fühlt sich in seiner Ehre beschmutzt. Er appelliert an ihre Liebe, ihr Einfühlungsvermögen – und immer wieder erinnert er sie daran, dass er schließlich ihr Mann ist.

 

Irgendwie hat mich das an Luther erinnert, obwohl, ein bisschen fortschrittlicher war Luther ja schon. Doch Frauen hatten, davon war er überzeugt, bei aller Liebe und Achtung, den Männern zu gehorchen. „Wenn sich ein Weib nicht regieren lässt und führen, sagt Luther, „da wird nichts Gutes draus, dann do werden Huren draus.“

 

Luther hatte zwar das Priestertum aller Gläubigen wiederentdeckt. Jeder Mensch ist an Christus gebunden. Und wenn weit und breit kein Mann zu finden sei, da dürfe auch die Hebamme das Kind taufen. Und Luther gab sogar zu: „Es ist wohl also, das man unter allen Christen viel findet, beide Mann und Weib, die predigen können“ (WA 12,389) Vor das Pfarramt der Frau aber schob er den Riegel mit den Worten: „Paulus verbietet es.“ Paulus hatte es ja auf den Punkt gebracht mit seinem Wort: Die Frau schweige in der Gemeinde.

 

Auch Jahrhunderte nach Luther mochte man sich das einfach nicht vorstellen: die Frau gleichberechtigt neben dem Mann. Vor allem nicht in der Kirche, oben auf der Kanzel. Um Argumente, warum das so sein soll, waren Männer nie verlegen. „Es geht uns Männern bei der öffentlich predigenden Frau ein Zug fraulichen Wesens verloren, der uns gerade die Hochachtung vor ihr abzwingt: die feine, stille zurückhaltende Art.“, hieß es damals. Und ein Professor der Theologie riet angesichts der ersten Theologiestudentinnen noch den anwesenden Herren: „Heiraten Sie die Damen, dann sind sie weg.“

 

Merkwürdig, der Wunsch, die Frauen, die man ja durchaus auch schätzt, liebt, ja sogar auf Händen trägt, einfach „weg“ haben zu wollen: weg aus den Hörsälen damals, weg von der Kanzel, weg aus der Öffentlichkeit, weg aus dem Blickfeld anderer Männer. Und das unter Berufung auf den Glauben.

 

Es gab Frauen, sie sich gegen solch ein vorsintflutliches Glaubenssystem zu wehren wagten. Es waren nicht wirklich viele. Aber ohne die paar mutigen Frauen, die sich nicht darum scherten, was Männer ihnen vorschreiben wollten, wären Ausgehen ohne männliche Begleitung, Baden im Bikini und Frauen auf der Kanzel auch bei uns immer noch Tabu. Schnell ging das ja nicht. Aber auch da will ich die Hoffnung nicht aufgeben.

 

Es gilt das gesprochene Wort

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