"Ein zärtlicher Freund der Frauen"

Zum 250. Geburtstag Friedrich Schleiermachers
Ein zärtlicher Freund der Frauen

Gemeinfrei (Emil Eugen Sachse)

Über die Sendung:

Theologe, Philosoph, Übersetzer, Pädagoge, Mitbegründer der Berliner Universität, freiheitlicher Patriot - Unglaubliches hat er geleistet. Und war bei all dem doch ein Beziehungsmensch. Da sei er wie eine Pflanze, sagte er, er brauche den ständigen Austausch, die Freunde und Freundinnen. So lebenswichtig  wie Luft, Licht und Wasser.

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Ein Leben in freier Selbstentfaltung – davon träumte man bereits am Ende des 18. Jahrhunderts. Es waren die Frühromantiker, die dieses Ideal entwarfen im Aufstand gegen die allzu verknöcherten, aufgeklärten Rationalisten.

 

Im Aufstand auch gegen eine Ständegesellschaft, in der weder Männer noch Frauen aus dem Korsett der ihnen zugeteilten Rollen ausbrechen durften. Es sollte endlich ein Ende haben mit den Aufspaltungen und Einordnungen: Verstand und Gefühl sollten nicht mehr auseinanderfallen – zur Ganzheit wollte man finden und gleichzeitig ins Offene denken.

 

Ein junger Theologe spielte in diesem Aufbruch eine Hauptrolle: Friedrich Schleiermacher. Ihm verdankten die Romantiker wesentliche Anstöße. Um ihn scharten sich die berühmten Frauen jener Jahre: Henriette Herz, Rahel Varnhagen, Dorothea Schlegel, Bettina von Arnim.

 

In diesem Jahr wird Schleiermachers 250. Geburtstag gefeiert. Es ist vor allem die evangelische Kirche, die sich an ihn erinnert – und dabei in erster Linie an den bedeutenden Kirchenlehrer des 19. Jahrhunderts denkt: Den Mann im Talar, der klug und gütig auf seine Gemeinde schaut – so, wie ihn eine Gipsbüste zeigt, die seinerzeit in vielen Wohnzimmern stand.

 

Unsichtbar bleibt da, dass er ein kleinwüchsiger Mann war, der wohl immer nach oben schauen musste, wenn er nicht auf der Kanzel stand. Unsichtbar auch, wie er anfing als Frühromantiker: Herausfordernd, kühn, selbstgewiss – mit einer großen Idee vom nicht entfremdeten Leben.

 

Die legte er dar in seinem ersten und bis heute bekanntesten Werk, den „Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern“. Religion – so erklärte Schleiermacher – ist keine Frage von Dogmatik, Moral oder Metaphysik. Religion sei vielmehr jedem Menschen eingegeben und müsse sich nur entfalten als Fähigkeit, in allem das Verbindende wahrzunehmen: Im Einzelnen das Ganze und das Ganze im Einzelnen zu erkennen. Und daraus ergab sich für ihn die Hoffnung: Wenn nur der Mensch sich wieder öffnet für das Universale, das alles durchzieht, wenn sich alle darin miteinander verbunden wissen, dann werden sie auch frei und friedlich miteinander leben.

Für die Romantiker war das ein großer Entwurf. Friedrich Schlegel, Ludwig Tieck und besonders Novalis ließen sich davon inspirieren. Am Ende blieb die Utopie auf der Strecke. Schleiermacher wurde ein Reformer und blieb dabei ein Mensch, bei dem Einfühlungsvermögen und Geisteskraft nicht im Streit miteinander lagen.

 

Unglaubliches hat er geleistet, nicht nur als Theologe, sondern auch als Philosoph, Übersetzer und Pädagoge. Unermüdlich tätig war er als Mitbegründer der Berliner Universität und als freiheitlicher Patriot, der sich nicht scheute, mit der Staatsmacht in Konflikt zu geraten.

 

Und war bei all dem doch ein Beziehungsmensch. Einer, der ohne Gespräch und Geselligkeit nicht sein mochte. Da sei er wie eine Pflanze, beschrieb er sich selbst, er brauche den ständigen Austausch, die Freunde und Freundinnen. Die waren ihm so lebenswichtig wie Luft, Licht und Wasser.

 

Besonders zur Freundschaft mit Frauen war er begabt. Von ihnen fühlte er sich verstanden und sie sich von ihm. Allen voran stand Henriette Herz. In ihrem Salon hatte für ihn ja alles angefangen.

 

 

Bildung stand in einem gut bürgerlichen, jüdischen Haushalt an erster Stelle. Auch für die Arzttochter Henriette de Lemos war es selbstverständlich, mehrere Sprachen zu lernen und vertraut zu sein in der großen Literatur, vor allem mit den Werken des hochverehrten Goethe. Doch verheiratet wurde sie dann blutjung mit einem Mann, den der Vater für sie ausgesucht hatte: Mit dem Arzt und Philosophen Markus Herz, der wenig Verständnis hatte für die literarischen Sehnsüchte seiner jungen Frau.

 

Nicht viel anders erging es Brendel, der Tochter des berühmten Moses Mendelssohn, die sich später Dorothea nannte. Auch sie hatte man erst umfassend gebildet und dann in eine Ehe gesperrt, in der sie nicht glücklich war. Und Rahel, die Tochter des Bankiers Levin, war zwar noch nicht verheiratet, fühlte sich als Jüdin aber auch ausgeschlossen und eingesperrt.

 

Die begabten jungen Frauen wollten mehr vom Leben als die ihnen zugedachten Rollen. Sie suchten nach Auswegen und fanden sie in der Freundschaft. Freundinnen waren sie – mal mehr, mal weniger – untereinander. Freundinnen wurden sie all den gerade aufstrebenden jungen Künstlern und Gelehrten, die dann im 19. Jahrhundert das Geistesleben prägen sollten.

 

Da waren zunächst die Gebrüder Humboldt, mit denen Henriette und Dorothea einen geheimen Freundschaftsbund gründeten. Man schwor sich, nichts voreinander zu verheimlichen. Das ging aber nicht lange gut.

 

Was dagegen gutging, waren die offenen Salons, zu denen dann vor allem Henriette Herz und Rahel Levin einluden. Dort konnten die freundschaftlichen Beziehungen zwanglos gepflegt werden und ganz ohne Standesschranken: Wer nur gebildet und geistreich zu plaudern verstand, gehörte dazu, egal ob jüdisch oder christlich, adlig oder bürgerlich, Mann oder Frau. Die Gastgeberinnen hielten das alles zusammen – hochherrschaftlich die schöne Henriette, etwas bescheidener die kluge Rahel. Sie hatten sich einen Raum geschaffen, in dem sie sich frei fühlten.

 

Sich frei fühlen, endlich dazugehören, danach hatte sich gewiss auch der junge Schleiermacher gesehnt. Lange hatte er mit seinem klugen Kopf mehr oder weniger einsam in der Provinz gebrütet: Erst war es ihm bei den frommen Herrnhutern zu eng geworden, die ihn erzogen hatten. Das Theologiestudium in Halle befriedigte ihn auch nicht. Nur predigen – das wollte er doch gern. Darin war er schon immer gut. Trotzdem musste er sich erstmal als Hauslehrer durchschlagen. Es dauerte, bis er endlich 1796 eine Stelle als Prediger bekam – an der Charité in Berlin, die damals ein sehr vernachlässigtes Krankenhaus war, ein trostloser Ort, wo Schleiermacher ein ebenso trostloses Zimmerchen zugewiesen wurde.

 

Aber nach drei Monaten kam die Erlösung. Er wurde eingeladen in den Salon der Henriette Herz – und war endlich unter seinesgleichen, fand die Freunde, die er brauchte – und in Henriette Herz eine Seelenfreundin, die ihn sein Leben lang begleiten sollte.

 

Bald sah man die beiden täglich im Berliner Tiergarten spazieren gehen, in endlose Gespräche vertieft. Und gewiss ging es dabei oft um die Frage nach dem guten Leben, um das, was wir heute Selbstverwirklichung nennen. Dafür reichte es doch nicht, nur an die Pflichten in den festgelegten Geschlechterrollen zu denken. Da musste es doch auch um die Wahrheit des Herzens gehen. Sicher war es eine Frucht der vertrauten Gespräche mit Henriette Herz, dass Schleiermacher dann bald mit einem höchst ungewöhnlichen Text in Erscheinung trat:

 

Das war die „Idee zu einem Katechismus der Vernunft für edle Frauen.“ Auf spielerische, etwas ironische Weise formulierte er da zehn Gebote und ein Glaubensbekenntnis, das den Frauen sowohl Verantwortung als auch Freiheit zusprach:

 

„Ich glaube an die unendliche Menschheit, die da war, ehe sie die Hülle der Männlichkeit und der Weiblichkeit annahm.“

So der erste Artikel des Glaubensbekenntnisses – und der war natürlich nicht nur für Frauen bestimmt: Es war Schleiermachers tiefe Überzeugung, dass das verbindende Menschsein über dem trennenden Mann- oder Frau-Sein steht. Und daraus ergab sich dann aber auch für die Frauen das Recht und die Pflicht, sich geistig zu entwickeln. So lautet das weibliche Bekenntnis dann im zweiten Artikel:

 

„Ich glaube, dass ich nicht lebe, um zu gehorchen oder um mich zu zerstreuen, sondern um zu sein und zu werden, und ich glaube an die Macht des Willens und der Bildung, mich dem Unendlichen wieder zu nähern, … und mich von den Schranken des Geschlechts unabhängig zu machen.“

Und das, darf man annehmen, ist Schleiermacher nicht im stillen Kämmerlein eingefallen. Das verdankte er den Begegnungen mit Henriette, Dorothea und Rahel – den drei edlen Frauen, die schon dabei waren, sich von den Schranken des Geschlechts unabhängig zu machen.

 

 

Natürlich hatte der junge Theologe am Ende des 18. Jahrhunderts noch keinen Plan zur radikalen weiblichen Selbstverwirklichung. Umso eindringlicher ist sein Plädoyer für die Herzensbildung von Frauen. Ja, er appelliert an die Frauen, ihrem Herzen, dem eigenen, unverfälschten Gefühl zu folgen, es nicht zu verbilden oder zu verbiegen. Wenn die Menschheit etwas weiterbringt, so Schleiermacher, dann ist es die Autonomie eines gewissermaßen erwachsenen gewordenen Gefühls.

 

Und Frauen spielen dabei für ihn eine ganz besondere Rolle: Als „edle“ Frauen haben sie eine besondere Kompetenz in der Liebesfähigkeit und sollen sich darin nicht irre machen lassen. So nimmt er in den „10 Geboten für edle Frauen“ dann auch die Versuchungen aufs Korn, denen Frauen ausgesetzt können, wenn sie sich allzu sehr von den Männern abhängig machen:

 

„Du sollst dir kein Ideal machen, weder eines Engels im Himmel, noch eines Helden aus einem Gedicht oder Roman, noch eines selbstgeträumten oder fantasierten; (...) sondern du sollst einen Mann lieben, wie er ist. Denn sie, die Natur, deine Herrin, ist eine strenge Gottheit, welche die Schwärmerei der Mädchen heimsucht an den Frauen bis ins dritte und vierte Zeitalter ihrer Gefühle“.

 

Etwas ironische Schulmeisterei klingt hier mit, sicher aus gutem Grund, denn es wurde viel geschwärmt in den Salons der Romantik. Aber Schleiermacher weist in seinen zehn Geboten die Frauen nicht nur zurecht, er spricht sie auch frei:

 

„Merke auf den Sabbath deines Herzens, daß du ihn feierst, und wenn sie dich halten, so mache dich frei oder gehe zu Grunde.“

 

Will sagen: Wenn es denn so ist, dass du als bereits verheiratete Frau einem andern Mann begegnest, mit dem du glücklich bist, dann folge deinem Gefühl – feiere die große Liebe. Lass dir das nicht verbieten, lass dich nicht in der verordneten Ehe einsperren. Das war ein kühner Gedanke für einen jungen Prediger, der darum auch etwas verschlüsselt daherkommt.

 

Schleiermacher hatte sehr persönliche Gründe, für die Freiheit der Liebe zu plädieren. Zum Einen wollte er damit seiner Freundin Dorothea beistehen, die gerade ihren Mann verlassen hatte, um sich mit Friedrich Schlegel zusammenzutun. Aber vor allem war er selbst in eine verheiratete Frau verliebt – Eleonore Grunow, die unglücklich war in ihrer Ehe mit einem Pfarrer, aber den Mut nicht fand, sich von ihm zu trennen.

 

Unter dieser vergeblichen Liebe hat Schleiermacher lange gelitten. Und er sollte auch später nicht recht glücklich werden, als er die etliche Jahre jüngere, früh verwitwete Henriette von Willich heiratete. Da war er wohl selbst Opfer einer allzu großen Schwärmerei geworden, die sich zwischen den beiden brieflich entsponnen hatte. Im Grunde passten sie nicht zusammen. Die junge Henriette hatte wenig Gespür für die Feinsinnigkeit ihres Mannes. Mehr Eindruck machte es ihr, wenn ein schmucker, junger Offizier auftauchte. Was aber schlimmer war: Sie verschrieb sich dem Okkultismus und holte eine Frau ins Haus, die mit ihren ständigen „Eingebungen“ die ganze Familie drangsalierte.

 

Schleiermacher ertrug es in Geduld. Aber die Ehe hatte er sich wohl doch anders vorgestellt, als er sie in einem frühen Text einmal als das „schönste Band der Menschheit“ (Monologen) bezeichnete. Da war es sein Ideal gewesen, dass zwei in gegenseitiger Ergänzung miteinander verschmelzen können, dass innerhalb der Ehe Liebe und Freundschaft ineinander greifen und Fragen wie Besitz- und Familienorganisation an die zweite Stelle treten. Sein Ehealltag muss ein so ganz anderer gewesen sein.

 

Vielleicht war er selbst auch zur Freundschaft einfach besser begabt als zur Ehe. Ein aufmerksamer Zuhörer und liebevoller Kümmerer blieb er nicht nur für Henriette Herz, sondern auch für Dorothea Schlegel, die es an der Seite ihres frei erwählten Friedrich nicht leicht hatte.

 

Wohl nicht zufällig hatte er das erste Gebot in seinem Katechismus für edle Frauen ja der Freundschaft gewidmet: „Du sollst Freundin sein können, ohne in das Kolorit der Liebe zu spielen und zu kokettieren oder anzubeten.“

 

Und so sollten wohl auch edle Männer den Frauen Freund sein können und dabei die Grenze wahren. Darauf verstand sich Schleiermacher sehr gut – bis auf eine Ausnahme: Als er Bettina von Arnim kennen lernte, war er von dieser temperamentvollen Frau so bezaubert, dass er ganz gern über die Grenze gegangen wäre. Da hielt sie ihn aber zurück.

 

„Religion ist Anschauung und Gefühl“ – so hat es Schleiermacher in seinen „Reden über die Religion“ gesagt – und damit gemeint: In der Religion geht es um Empfänglichkeit und Zuneigung,

um die Fähigkeit, im Verschiedenen das Verbindende zu erkennen.

 

Später sagt er: „Religion ist das Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“ und auch damit meint er: Das Wissen vom Zusammenhang des Lebendigen. Dabei spielt die Liebe für ihn die wesentliche Rolle, ist sie doch das „universale Band“, das die Fremdheit überwindet, die Gegensätze anzieht und vereint.

 

Unter diesem Vorzeichen sieht er das Verhältnis der Geschlechter. Soll die Liebe eine Chance haben, verlangt sie nach persönlicher Verantwortung und Selbstreflexion. Da macht Schleiermacher keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen: Sie haben mit je verschiedenen Festlegungen aus Kultur und Tradition zu kämpfen. Wo sich aber Liebe unter Menschen entfalten will, braucht es Raum für Individualität auf beiden Seiten.

 

Heute sind den meisten solche Einsichten selbstverständlich. Vor 200 Jahren war die Gleichstellung in Liebesdingen zwischen Mann und Frau ziemlich revolutionär. Zumal sie sich für Schleiermacher auch mit einem gleichen Recht auf Bildung für die Frauen verband.

 

Zwar konnte er sich eine Wirksamkeit von Frauen im öffentlichen Leben noch nicht vorstellen, aber das „Hauswesen“, so hieß es bei ihm, sei ja schließlich das wichtigste organische Element im Staatswesen – und für ihre wichtigen Aufgaben im Haus müssten die Frauen genauso gut gebildet werden wie die Männer für die ihren im Staat.

 

Und so viel ahnte er immerhin schon: Je mehr den Frauen der Zugang zur Bildung ermöglicht werde, um so geringer würde die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern am Ende sein. Die besondere denkerische Kraft von Frauen stand für ihn außer Frage.

 

Er sah, wie sich bei ihnen Gefühl und Denken auf eine Weise verbindet, die seinem Ideal entsprach und auch für Männer gelten sollte. Denn die Religion als das „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“ war für ihn doch die Voraussetzung für ein richtiges Denken im Bewusstsein der universalen Zusammenhänge.

 

Die Frage, die ihn umtrieb, war, wie Menschen Zugang zum Absoluten erhalten, wie sie geöffnet werden können für das Staunen über das Universum. Und er fand die Antwort in einer neu betonten Sinnlichkeit und Empfänglichkeit: Im hingebungsvollen Anschauen und Aufnehmen kommt es zur religiösen Erfahrung. Das Unendliche wird gefühlt.

 

Gefühl bedeutet da nicht Gefühligkeit, sondern wird regelrecht ein Organ des Erkennens, ein ganz eigenständiges Seelenvermögen, auf das es ihm vor allem andern ankommt. Und das ist für ihn eine primär weibliche Eigenschaft. Es betrifft auch die weibliche Seite im Mann, die er nun ganz besonders stark macht.

 

Das spezifisch Weibliche – in seinem Denken ist es nicht mehr das Zweitrangige, sondern vielmehr das Grundlegende. Das war schon so etwas wie eine „kopernikanische Wende“ in der Theologie – ein völlig neuer Ausgangspunkt.

 

Und längst nicht alle Männer waren damit einverstanden. Mit beißendem Spott musste Schleiermacher immer wieder fertig werden. Die Frauen allerdings dankten‘s ihm – er war ihr „zärtlicher Freund“ – so nannte ihn Henriette Herz. Und mag schon sein, dass er ihnen auch so Einiges verdankte.

 

Diese enge Verbindung von Gefühl, Weiblichkeit und Religiosität, die seinerzeit revolutionär erschien, kommt vielen heute allerdings schon wieder fragwürdig vor. Genauso fragwürdig wie die Überlegung, was nun als typisch männlich oder typisch weiblich zu gelten hat.

 

Letzten Endes will Schleiermacher ja auch auf etwas anderes hinaus. Ihm geht es darum, dass Gefühl und Verstand, Empfangen und Gestalten unbedingt zusammengehören. Erst zusammen machen sie den ganzen Menschen aus.

 

Und ganz ist der Mensch dann auch gar nicht für sich als Einzelner oder Einzelne. Zur Selbstverwirklichung gehört für Schleiermacher der Austausch, der Reichtum an Beziehungen in Geselligkeit und Freundschaft. Und da wäre doch gerade heute wieder von ihm zu lernen.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

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